Kurz erklärt
410 Gone ist ein HTTP-Statuscode, der signalisiert: “Diese Ressource existierte früher, wurde aber bewusst und dauerhaft entfernt.” Im Gegensatz zu 404 (Not Found) kommuniziert 410 eine absichtliche Löschung – Google entfernt solche Seiten sofort aus dem Index.
410 vs. 404 – Der entscheidende Unterschied
| Aspekt | 404 Not Found | 410 Gone |
|---|
| Bedeutung | Seite nicht gefunden, Status unklar | Bewusst und dauerhaft entfernt |
| Google-Reaktion | 24h Wartezeit vor Deindexierung | Sofortige Deindexierung |
| Crawl-Häufigkeit | 49,6% häufiger gecrawlt | Seltener gecrawlt |
| Use Case | Tippfehler, versehentliche Löschung | Content-Pruning, Spam-Bereinigung |
Experiment von Reboot Online: 404-URLs werden fast 50% häufiger gecrawlt als 410-URLs – bedeutsam für Crawl-Budget bei großen Sites.
Wann verwendet man 410?
Content-Pruning:
- Veraltete, minderwertige Inhalte bewusst entfernen
- Thin Content, der Rankings schadet
- Duplicate Content bereinigen
Nach Hacks & Spam:
- Spam-Seiten nach Angriff entfernen
- Google schnell über Bereinigung informieren
- Fake-Produktseiten, injizierte Inhalte
Abgelaufene Angebote:
- Zeitlich begrenzte Produkte (z.B. Event-Tickets)
- Sale-Aktionen, die nicht wiederkehren
- Saisonale Angebote ohne Redirect-Ziel
Hartnäckige alte URLs:
- URLs, die Google trotz 404 immer wieder crawlt
- Paginierende URLs ohne Inhalt (
?page=9999)
- Filter-URLs, die nie existieren sollten
Rechtliche Gründe:
- DSGVO-Löschanfragen (Recht auf Vergessenwerden)
- Urheberrechtsverletzungen
- Gesetzlich vorgeschriebene Entfernungen
Wann NICHT 410 verwenden?
❌ Versehentliche Löschung: URL könnte reaktiviert werden → 404 verwenden
❌ Inhaltlich ähnlicher Ersatz existiert: → 301 Redirect zur neuen Seite
❌ URL existierte nie: → 404 ist korrekt (kein “Gone”, weil nie da)
❌ Temporäre Nichtverfügbarkeit: → 503 Service Unavailable
Google’s 410-Behandlung
Sofortige Deindexierung: 410-Seiten werden umgehend aus dem Index entfernt.
Crawl-Budget-Einsparung: Google crawlt 410-URLs seltener als 404-URLs.
Search Console Meldung: 410-Fehler werden als “Ausgeschlossen” angezeigt (erwartet, kein Problem).
Reaktivierung unmöglich: Anders als bei 404 gibt es keine “Wartezeit” – Google behandelt 410 als final.
Implementierung
Apache (.htaccess):
# Einzelne URL
Redirect 410 /alte-seite
# Mit mod_rewrite
RewriteEngine On
RewriteRule ^alte-seite$ - [G,L]
# [G] = Gone = 410
nginx:
location /alte-seite {
return 410;
}
# Mehrere URLs via Regex
location ~ ^/(spam|hack|removed) {
return 410;
}
PHP:
<?php
header("HTTP/1.1 410 Gone");
exit();
?>
Astro (Middleware oder 404.astro als 410):
// src/middleware.js
export function onRequest({ url }, next) {
if (url.pathname.startsWith('/removed/')) {
return new Response(null, { status: 410 });
}
return next();
}
Content-Pruning-Strategie
1. Niedrigwertige Inhalte identifizieren:
- Google Analytics: Seiten ohne Traffic (12+ Monate)
- Search Console: Seiten mit 0 Impressions
- Crawl-Daten: Thin Content, Duplicate Content
2. Entscheidungsbaum:
- Inhaltlich passende Alternative existiert? → 301 Redirect
- Inhalte aktualisierbar/verbesserbar? → Überarbeiten
- Komplett wertlos/veraltet? → 410 Gone
3. Implementierung:
- 410-Status für alle Pruning-URLs setzen
- In Google Search Console beobachten
- Nach 4-8 Wochen: Crawl-Budget-Verbesserung messen
4. Monitoring:
- Search Console: “Ausgeschlossen”-Seiten tracken
- Server-Logs: 410-Anfragen sollten abnehmen
- Rankings: Gesamtqualität sollte steigen
Häufige Fehler
❌ 410 als “harte 404” missbrauchen: Nur für bewusste Löschungen verwenden
❌ Reaktivierung erwarten: 410 ist final, Google crawlt extrem selten
❌ Bei Produkten ohne Alternative: Besser auf Kategorieseite 301-redirecten
❌ Ohne Backup entfernen: Bei Fehler ist Reindexierung schwierig
410 bei E-Commerce
Szenario: Produkt dauerhaft nicht mehr verfügbar (nicht nur ausverkauft).
Option 1: 301 zu Kategorie
- ✓ Nutzer findet alternative Produkte
- ✓ Link-Juice bleibt erhalten
- ✗ Weniger präzise
Option 2: 410 Gone
- ✓ Klare Kommunikation an Google
- ✓ Crawl-Budget gespart
- ✗ Nutzer sieht nur Fehlerseite
- ✗ Link-Juice verloren
Option 3: 404 mit Alternativen-Widget
- ✓ Nutzer-Erfahrung gut
- ✗ Google crawlt weiterhin
Empfehlung: 301 zu Kategorie oder ähnlichem Produkt (bessere UX + SEO).
410 reaktivieren – geht das?
Technisch ja: Einfach 410-Status entfernen, Inhalt wiederherstellen.
SEO-Herausforderung: Google crawlt 410-URLs extrem selten.
Lösung bei Reaktivierung:
- 410-Status entfernen, Inhalt wiederherstellen
- In XML-Sitemap aufnehmen
- Google Search Console: URL-Prüfung + Indexierung anfordern
- Interne Verlinkung wiederherstellen
- Geduld: Reindexierung kann Wochen dauern
Fazit: 410 nur verwenden, wenn Löschung wirklich final ist.
Nächste Schritte
- Content-Audit durchführen: Traffic, Qualität, Duplicate Content prüfen
- Entscheidungsbaum anwenden: 301, 410 oder Verbesserung?
- 410-Status für finale Löschungen implementieren
- Search Console monitoring: “Ausgeschlossen”-Seiten beobachten
- Nach 4-8 Wochen Crawl-Budget-Verbesserung messen